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Gute Ausbildung wird seltener

 DGB-Ausbildungsreport 2012
 

Deutschland ist Spitze bei der Ausbildung, doch immer mehr Betriebe lassen die Qualität der Lehre schleifen. Zwar ist der Großteil der Auszubildenden mit der Lehre zufrieden, doch ausbildungsfremde Tätigkeiten, Überstunden und fehlende Betreuung nehmen laut neuem DGB-Ausbildungsreport zu.

 Foto: Bernd Geller, Fotolia.com

Putzen statt Lernen, unbezahlte Überstunden und fehlende Mittel in der Berufsschule – für immer mehr junge Menschen sinkt die Qualität der Ausbildung. Das ist das Ergebnis des siebten Ausbildungsreports des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

Insgesamt ist der Großteil der rund 12000 befragten Auszubildenden (72,5 Prozent) mit seiner Ausbildung „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“. Besonders gut bewerten Lehrlinge ihre Ausbildung in Betrieben, in denen es eine betriebliche Interessenvertretung (Jugend- und Auszubildendenvertretung oder Betriebsrat) gibt.

Doch immer häufiger müssen Auszubildende Tätigkeiten nachgehen, die mit ihre Lehre nichts zu tun haben.  Mit 10,8 Prozent gaben wieder etwas mehr Befragte im Vergleich zum Vorjahr (9,8 Prozent) an, dass sie im Betrieb „immer“ oder „häufig“ ausbildungsfremde Tätigkeiten ableisten müssen - dazu zählen etwa Putzen oder Botengänge.

Dabei sind es in erster Linie die Kleinst- und Kleinbetriebe mit ihren geringeren finanziellen und personellen Ressourcen, in denen Auszubildende oftmals für Erledigungen herhalten müssen, die in keinem Zusammenhang mit ihrer fachlichen Qualifizierung stehen.

Ebenso viele Azubis haben keinerlei fachliche Betreuung durch Ausbilder. Fast jeder zehnte Befragte hat gar keinen Ausbilder (8,2 Prozent), bei weiteren 10,1 Prozent steht die Ausbilderin oder der Ausbilder selten oder nie zur Verfügung. Und gar jeder fünfte leistet unentgeltlich Überstunden, die nicht einmal mit Freizeit ausgeglichen werden – entgegen klarer gesetzlicher Vorgaben.

Sehr problematisch für viele Auszubildenden ist die oft ungeklärte Übernahmesituation. Zum Zeitpunkt der Befragung wusste ein gutes Viertel der Befragten (26,8 Prozent), dass sie übernommen werden, knapp jeder Zehnte (8,7 Prozent) hatte bereits eine Absage. Die Mehrheit von fast zwei Dritteln (64,4 Prozent) wusste noch nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht.

Sonderthema der diesjährigen Befragung war die Qualität der Berufsschulen. Zwar bewertet eine knappe Mehrheit der befragten Auszubildenden (56,3 Prozent) die fachliche Qualität der Berufsschulen als „gut“ oder „sehr gut“. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der positiven Bewertungen allerdings um mehr als fünf Prozentpunkte zurückgegangen.

„Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass sich Gewerkschaften in der Dualen Ausbildung engagieren und ihr auch die entsprechenden Bedeutung in der Arbeit geben“, sagt Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE. „Aber auch in der Politik ist gefragt, vor allem wenn es um die Neuordnung von Berufen oder Diskussionen rund um die Perspektive junger Menschen geht.“

Am besten bewerten auch in diesem Jahr die angehenden Bankkaufleute ihre Ausbildung. Auch die Auszubildenden in der Industriemechanik belegen weiterhin den zweiten Platz. Den dritten Rang nehmen ebenfalls wie im vergangenen Jahr die Mechatronik-Auszubildenden ein. Auf dem vierten Rang sind die Industriekaufleute zu finden. Schlusslicht bilden bereits mehrfach in Folge Berufe im Hotel- und Gaststättenbereich. „Das Ergebnis der bestbewerteten Berufe zeigt, dass in der Industrie die Ausbildung bereits hohen Standards unterliegt“, sagt Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE. „Das ist nicht zu letzt ein Verdienst von starken Betriebsräten und der Gewerkschaften.“

Trotz aller „Entspannungen“ auf dem Ausbildungsmarkt gibt bundesweit betrachtet nach wie vor nicht genug Ausbildungsplätze. Insgesamt haben bis zum 21. August dieses Jahres 541.581 junge Menschen bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz die Bundesagentur für Arbeit (BA) eingeschaltet. Dem standen 496.941 Ausbildungsplätze gegenüber.

Noch immer suchen deutschlandweit 146.939 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. 101.100 unbesetzte Ausbildungsstellen sind gemeldet. Die BA zählt 56.079 Bewerber als versorgt („Bewerber mit Alternative“), obwohl sie ausdrücklich weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen.

Allein für die registrierten Bewerber fehlen 45.839 Ausbildungsstellen. Immer noch werden viele junge Menschen in Maßnahmen des sogenannten „Übergangssystems“ vermittelt - 294.294 im Jahr 2011. Und noch immer haben 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 keinen qualifizierenden Berufsabschluss - das sind 17 Prozent  der Altersgruppe.

 

Den Ausbildungsreport 2012 und weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

DGB:Ausbildungsreport 2012

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