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Wie begann die Industrialisierung in Deutschland?

Die Industrialisierung in Deutschland verlief zunächst langsam, bis dann die Revolution in Preußen scheiterte. Ab diesem Zeitpunkt verlief die Industrielle Revolution sehr schnell - vor allem im Ruhrgebiet und in Sachsen. Deutschland schaffte es sogar 1870 auf den vierten Platz der Weltproduktion. Der wirtschaftliche Aufschwung wurde von den großen Unternehmern und Banken beeinflusst und getragen; außerdem wurde er durch die Gründung des Deutschen Reichs 1871 unterstützt. So kam es trotz der steigenden Bevölkerungszahl nicht zu Arbeitslosigkeit.

 

Ausgangssituation

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte in Deutschland kein einheitlicher Wirtschaftsraum. Der deutsche Staat setzte sich aus dem „Deutschen-Bund“, der allein schon aus 35 Fürstentümern bestand und aus vielen kleinen Einzelstaaten zusammen. Jeder Teil des Landes war durch Zollgrenzen von den umliegenden abgetrennt. Dem deutschen Staat gehörten keine Kolonien und Rohstoffe und er besaß keinerlei einheitliche Währung noch hatte er einheitliche Maße, Gewichte und Zölle. Dies erschwerte und verteuerte den Handel bedeutend. Eine Lösung dieser wirtschaftlichen Probleme musste geschaffen werden: der Deutsche Zollverein.

 

Der Deutsche Zollverein

Am 1. Januar 1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet, der sich unter preußischer Führung aus 18 deutschen Staaten zusammensetzte. Dieser legte den Grundstein für den freien und billigen Handel, indem er die deutschen Währungen, Maße und Gewichte vereinheitlichte, die Innlandzölle abschuf und die freie Berufswahl gewährte. Durch den Deutschen Zollverein wurde ein großer Teil des Weges zur Industrialisierung in Deutschland geebnet.

 

Entstehung von Industrierevieren

Um möglichst viel Ertrag über eine lange Zeit zu erwirtschaften, suchte man Gegenden, in denen viele Rohstoffe, wie z. B. Kohle lagerte. Dort bildeten sich die Standorte der Industrie. Um sie herum entstanden Arbeitersiedlungen und Städte. Um 1850 konnte man große Industriegebiete im Raum Köln, Dortmund, Dresden und Leipzig vermelden. Das Anwachsen der Städte zu riesigen und weitläufigen Gebieten veranlasste die Menschen, diese Bereiche Industriereviere zu nennen.

 

Gleichheit mit England?

Wie der Wirtschaftshistoriker Toni Pierenkämper 1998 schrieb, konnte man im Bereich der Textilindustrie die Übernahme und Nachahmung des Vorbilds England erkennen. In Deutschland wurden im Steinkohlebergbau zwar auch traditionelle Techniken ausgebaut, jedoch fand man auch Einzelheiten, die von England übernommen wurden. Im Kohlebergbau wurden alle Probleme mit Hilfe von Dampfmaschinen gelöst, die wie die Eisenbahn zehn Jahre nach ihrer erstmaligen Nutzung aus deutscher Herstellung stammte. Im Bereich der Eisenindustrie konnte man nur feststellen, dass eine Teilmodernisierung stattgefunden hatte. Neue Techniken wurden hier mit alten Methoden vereinigt.

 

Wirtschaftliche Triebfeder – die Eisenbahn

Ausschlaggebend für die Industrialisierung war der Antrieb der Wirtschaft durch die Stahl- und Eisenindustrie, den Steinkohlebergbau und den Bahnbau, die wegen des Ausbaues der Verkehrsanbindungen aufgrund einer neuen Erfindung geschaffen oder gefördert wurden. - Die Eisenbahn.
Um ein wirtschaftliches und politisches Zusammenwachsen Deutschlands zu erlangen, plante Friedrich List ein Eisenbahnnetz für ganz Deutschland. 1835 finanzierten aufgeschlossene Bürger den Bau einer ersten Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth. Nach 1850 folgte eine finanzielle Förderung durch die Regierung. Unternehmer schlossen sich wegen der hohen Kosten bzgl. der Investition des Bahnbaues zu Aktiengesellschaften, die die Gründung von größeren Industriebetrieben ermöglichten, zusammen. Es entstanden neue Arbeitergruppen: Männer, die für den Bahndammbau, das Schienenverlegen, den Bahnhof- und Brückenbau zuständig waren. Für die Herstellung von Schienen, Brücken und Maschinen wurde nun die Eisenindustrie gefördert.

 

Das Kohlerevier

Das Kohlerevier, das auch als das industrielle Herz Deutschlands bezeichnet wurde, beschrieb die wichtigsten Standpunkte des Kohlebergbaus. Beispiele dafür sind Preußen, Oberschlesien, Saarland und das Ruhrgebiet. Mit modernen Techniken konnte man ab 1837 auch sehr tief liegende Kohlevorkommen abbauen. Konzerne wie die Firma Krupp benötigten nun noch Arbeiter, die in den Gruben und Zechen weit unter der Erde arbeiten wollten. Diese Arbeitskräfte kamen vorwiegend aus Ostdeutschland und Polen. In den 70ern des 19. Jahrhunderts nahm Deutschland den 4. Rang in Bezug auf die Kohleförderung der Welt ein. 

 

Elektrifizierung

Am 24.8.1891 gab es die erste Fernleitung von Laufen nach Frankfurt und am gleichen Tag kam der Strom auch an. Die erste Hochspannungsleitung war 184 Kilometer lang und der Strom darin hatte eine Spannung von 20.000 Volt. Zu dieser Zeit begann ein neuer Abschnitt der Elektrifizierung. Das Vertrauen in die neue Technik wuchs und es begann der Aufschwung der Kraftbetriebe und der Elektronik.
Die Glühlampe, das Radio, der Fernseher, die Straßenbahn, das Telefon und noch vieles mehr waren Erfindungen, die durch die neue Technik möglich wurden. Die Nachrichtentechnik, die Haushaltsgerätehersteller, die Maschinenbautechniker, die Funkindustrie, die Phonoindustrie  (Musikindustrie) sowie die Filmindustrie profitierten besonders von der Elektrizität.

 

Landwirtschaft

Weil die Landwirtschaft mehr und mehr durch die Industrie aus dem Wirtschaftssektor verdrängt wurde, könnte man meinen, sie stelle keinen Teil der Industrialisierung dar. Diese Vermutung stimmt jedoch nicht ganz, da auch auf den landwirtschaftlichen Sektor Neuheiten wie das künstliche Düngemittel, die Mähmaschine oder der Dampfpflug auf den Markt kamen. Diese trugen zur Steigerung der Erträge, wie zum Beispiel bei Getreide zwischen 1850 und 1870 bis zu 25 Prozent, bei. Nun rüstete ein Großteil der Bauern von Viehzucht auf den Anbau von Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben um.

Obwohl die Produktion von Agrargütern sich sichtbar steigerte, litt die Bevölkerung dennoch bei Missernten unter schlimmen Hungersnöten, da durch die stetig wachsenden Einwohnerzahlen die Güter beinahe schneller verbraucht wurden, als sie hergestellt werden konnten. Es standen also in Notlagen keine Reserven zur Verfügung. 

All diese Neuheiten, die auf den deutschen Markt kamen, brachten für Deutschland ein starkes Wirtschaftswachstum. Der Beginn der Industrialisierung in Deutschland konnte seinen Lauf nehmen.

 

Karl-Heinz Wrede

Schriftführer IGBCE OG Lenne-Ruhr


Quellenangabe: Prüfung-Ratgeber

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